So kann Bayern die Ausfälle von Davies und Upamecano kompensieren | OneFootball

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·27 March 2025

So kann Bayern die Ausfälle von Davies und Upamecano kompensieren

Article image:So kann Bayern die Ausfälle von Davies und Upamecano kompensieren

Am Mittwochvormittag sorgten zwei Meldungen des FC Bayern für Entsetzen bei den Fans. Zwei Defensivspieler, namentlich Alphonso Davies und Dayot Upamecano, haben sich bei ihren Nationalmannschaften verletzt. Und das schwer. Ausgerechnet im Endspurt der Saison, wenn es um die großen Titel geht, werden beide fehlen.

Beim Franzosen Upamecano wurden freie Gelenkkörper im Knie festgestellt. Zudem berichtet die BILD-Zeitung von einem Knorpelschaden. Die Saison ist wohl beendet, wie lange er genau ausfällt, wird sich nach einer erneuten Untersuchung zeigen. Noch schlimmer hat es Davies getroffen. Der Kanadier hat sich bei der Nationalmannschaft einen Kreuzbandriss zugezogen, wurde bereits in Innsbruck operiert. Die Ausfalldauer beträgt in diesem Fall voraussichtlich rund sechs Monate. Und: Auch bei ihm gibt es Probleme mit dem Knorpel, was die Heilung sogar beeinträchtigen könnte.


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In der Bayern-Defensive wird es ohne Davies und Upamecano dünn

Zwei Ausfälle auf einmal: Genau das war es, was man in München gar nicht gebrauchen konnte. Schließlich kämpft der Rekordmeister noch um zwei Titel, nämlich die Meisterschaft und die Champions League. Sieben Verteidiger bleiben nun für den Saisonendspurt noch übrig, was zunächst einmal nach viel klingt. Doch die Realität sieht anders aus. Auf der rechten Seite können Konrad Laimer, Josip Stanisic und Sacha Boey eingesetzt werden. Im Zentrum stehen Min-jae Kim, Eric Dier und Hiroki Ito zur Verfügung. Für links besteht die Option Raphael Guerreiro, wenngleich Ito und Stanisic dort auch spielen könnten.

Und genau hier ergibt sich schon die erste Problematik. Manch ein Spieler ist für zwei Positionen eingeplant, was wiederum dafür sorgt, dass man in München nur eine weitere Verletzung von einem Dilemma entfernt ist. Zumal ein Spieler wie Boey bisher bisher nicht seine besten Leistungen zeigen konnte und Guerreiro ausgerechnet jetzt im Frühjahr eine Formdelle aufweist. Zudem muss über das Qualitätsspektrum der einzelnen Spieler gesprochen werden. Zwar hat jeder bestimmte, besondere Fähigkeiten, aber einen vollumfänglichen Ersatz für Upamecano und Davies gibt es nicht.

Der Franzose spielt nämlich sehr vorausschauend, agiert klug im Aufbau und hat trotzdem viel Tempo. Kim bringt Tempo mit, Ito einen sehr guten Aufbau und Dier eine enorme Abgeklärtheit, aber niemand das Gesamtpaket. Ähnlich sieht es links aus. Die Mischung aus ungeheurem Tempo und gleichzeitig dem Offenivdrang bringt ebenfalls niemand mit. Davies kann sowohl Akzente im Spiel nach vorn setzen als auch gegnerische Angriffe mit seinen Sprints zunichtemachen. So dient er auch als eine Art Absicherung. Guerreiro ist technisch stark und bringt viele kombinative Elemente ein, aber es hapert defensiv. Ito ist indes wie erwähnt sauber im Aufbau, aber verhält sich eher zurückhaltend.

Statistik beweist: So wichtig ist Davies für den FC Bayern

Nicht nur der Eye-Check, auch die Statistiken beweisen, wie wichtig beide Spieler für Bayern sind. Upamecano glänzt mit herausragenden Werten, unter anderem im Passspiel. Zudem gewinnt er viele wichtige Zweikämpfe, spielt nicht nur Pässe in den Fuß des Mitspielers, sondern auch proaktiv zwischen die Linien, initiiert damit Angriffe. Im Fall von Davies wird deutlich: Die Statistiken des FC Bayern sind innerhalb des Spiels mit ihm besser als ohne ihn.

Es mag nicht auf den ersten Blick anhand der Resultate zu erkennen sein, aber Bayern München profitiert enorm davon, wenn Davies auf dem Platz steht. Der Rekordmeister erzielt mit dem Kanadier 0,41 Tore pro Spiel mehr, kassiert dafür 0,33 Gegentore weniger. Es werden zudem mehr Schüsse abgegeben, auch der Ballbesitzwert ist besser. Unter anderem deswegen, weil Davies‘ Spielweise hohe Ballgewinne fördert und er zudem ein Spieler ist, der den Gegner häufig abläuft. Es lässt sich also festhalten: Steht der Linksfuß auf dem Feld, dann ist der FC Bayern im Schnitt noch besser ausbalanciert als ohne ihn.

So kann Bayern die Ausfälle kompensieren

Nun aber zur entscheidenden Frage: Wie kann der FC Bayern die Ausfälle kompensieren? Vorab: Eine Patentlösung für alle Spiele gibt es nicht. Vincent Kompany muss sich für jede einzelne Partie etwas einfallen lassen. Beginnen wir dabei erst einmal mit einem Hauptproblem, gegen das man als FCB ankämpfen muss, nämlich gegen einen tiefstehenden Gegner. Hier kommen primär zwei Aufgaben auf die Abwehr zu: Eine hohe Aufmerksamkeit bei den Nadelstichen des Gegners, die teilweise im direkten 1-gegen-1 verteidigt werden müssen und möglichst gute Bälle im Aufbau zwischen die Linien oder lang auf die Flügel, um das Spiel zu verlagern.

Eine Abwehr bestehend aus Konrad Laimer oder Josip Stanisic, Min-jae Kim, Hiroki Ito und Raphael Guerreiro würde bei eigener Dominanz zumindest rein theoretisch das bestmögliche Spektrum an Qualität liefern, um defensiv-destruktive Gegner zu bespielen. Ein Spieler wie Eric Dier wäre hier vielleicht Fehl am Platz, wenn er permanent rund um den Mittelkreis spielen muss, auch wenn er zeigte, dass er sich zumindest gewissermaßen daran anpassen kann.

Gegen starke Gegner, die selbst aktiver agieren, würde es sich anbieten, eine risikoärmere Variante zu wählen, beispielswiese mit Ito links und Dier in der Mitte. Dass der Engländer sich wohlfühlt, wenn er etwas tiefer verteidigt, zeigte er in der Rückrunde der letzten Saison. Dort spielte Bayern unter Thomas Tuchel defensiver, stand näher am eigenen Tor. Und gerade dort hatte Dier seine beste Phase. Da er im Spielaufbau im Vergleich zu Upamecano abfällt, muss das Zentrum im Mittelfeld wiederum mehr Aufgaben in diesem Bereich übernehmen.

Was Lösungen gegen hochpressende Mannschaften unter Druck angeht: Hier sind alle gemeinsam gefordert. Ein guter, flacher Aufbau ist Kompany wichtig, aber nicht die einzige Möglichkeit, aus der eigenen Abwehr herauszuspielen. Unnötiges Risiko ist auch unangebracht, weswegen der ein oder andere lange Ball mehr in das Repertoire aufgenommen werden sollte.

Vincent Kompany hat in dieser Saison schon unter Beweis gestellt, dass er seine Spielweise im Nuancenbereich anpassen kann. In der Saisonschlussphase wird das aufgrund der Verletzungen sehr wahrscheinlich wieder erforderlich sein. Dominanz und Kontrolle ja, aber mit einer etwas vorsichtigeren Grundausrichtung und größerem Fokus auf Kompaktheit in der Abwehr: Das sollte die Marschroute sein, um die Ausfälle zumindest bestmöglich kaschieren zu können.

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