MillernTon
·27. März 2025
FC Bayern München: Verein und Fanszene

MillernTon
·27. März 2025
Der FC St. Pauli spielt beim FC Bayern München – einem Verein voller Erfolge und mit einer großen Fanszene, von der Teile eine Freundschaft zu Ultrà Sankt Pauli pflegen.(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Am Samstag gastiert der FC St. Pauli beim FC Bayern München. Klar, wenn wir auf den Tabellenersten treffen, dann wird das für uns kein einfaches Spiel. Im Hinspiel haben wir uns aber gut geschlagen, verloren dennoch knapp mit 0:1. Ob wir dieses mal so knapp davonkommen, ist unklar. Abseits vom schwierigen Spiel ist trotzdem ein schöner Tag beim Rekordmeister zu erwarten, denn zwischen den Ultras des FC St. Pauli und FC Bayern München besteht eine langjährige Freundschaft. Den FC Bayern München begleitet eine lange Geschichte, beachtliche Erfolge und eine große Fanszene. Schauen wir mal rein.
Der FC Bayern München entstand 1900 aus einer Abspaltung zum MTV München, wo der Fußball noch belächelt wurde. Der spätere erste Präsident FC Bayern Münchens, Franz John, führte die Abspaltung an. 1906 schloss man sich dem Münchener-Sport-Club an, blieb als FCB selbständig, allerdings galt die Bedingung, von nun an die Farben weiß und rot zu tragen (vorher trug man weiß-blau). Die neue Farbkombination gilt bis heute. Als FC Bayern München war man schon sehr früh erfolgreich, denn 1910 holte man sich bereits die Ostkreismeisterschaft und verteidigte diese im Folgejahr. 1920 war man mit 700 Mitgliedern bereits der größte Fußballverein in München, 1926 folgte die Süddeutsche Meisterschaft, 1932 dann die erste deutsche Meisterschaft. Zum Endspiel in Nürnberg gegen Eintracht Frankfurt reisten viele Fans des FCB per Fahrrad an.
Der FC Bayern München galt als „Judenverein“, aufgrund des langjährigen Präsidenten Kurt Landauer und des Trainers Richard Dombi, die beide jüdischen Glaubens waren. Wegen des politischen Drucks trat Kurt Landauer 1933 von seinem Präsidentschaftsamt zurück. 1938 wurde er ins Konzentrationslager in Dachau verschleppt und war dort 33 Tage inhaftiert. 1939 flüchtete er ins Exil in die Schweiz. Auch sportlich rutschte der FC Bayern ab. Von der Gauliga Bayern stiegen sie über die Jahre bis in die Gauliga München-Oberbayern ab. Im Juli 1944 wurde die Geschäftsstelle durch eine Bombe zerstört. im gleichen Jahr qualifizierte man sich aber wieder für die Endrunde der deutschen Meisterschaft, scheiterte jedoch am VfR Mannheim. Im Folgejahr qualifizierte man sich erneut. Die Endrunde wurde aufgrund des Krieges aber nicht ausgetragen.
Choreo des FC Bayern zum 125. Geburtstag beim Spiel gegen den VfL Bochum am 8. März 2025 in der Allianz-Arena.
// (c) Alexander Hassenstein/Getty Images via OneFootball
Nachdem alle Sportvereine nach dem zweiten Weltkrieg durch die Alliierten aufgelöst wurden, gründete man sich 1945 neu. 1947 kam Kurt Landauer aus dem Exil zurück und wurde kurze Zeit später wieder zum Präsidenten des FC Bayern München ernannt, seine vierte Amtszeit beim FCB. Über viele Jahre hinweg spielte der FC Bayern München in der Oberliga. Im Jahre 1957 gelang dem FC Bayern der erste Gewinn des DFB-Pokals (Finale gegen Fortuna Düsseldorf). Bei der Gründung der Bundesliga 1962 wurde der FC Bayern München nicht berücksichtigt, stattdessen war 1860 München Teil der neuen Bundesliga. Bayern München musste in der Regionalliga starten, setzte sich aber zum Ziel, in die Bundesliga aufzusteigen.
Aufgrund der wirtschaftlichen Situation setzte man auf den regionalen Nachwuchs, darunter unter anderem Franz Beckenbauer. In der Saison 1964/65 gelang dann der Aufstieg von der Regionalliga in die Bundesliga. Von nun an sollte der FC Bayern einen Titel nach dem anderen holen. 1967 gewann man den ersten internationalen Titel (Europapokal der Pokalsieger) nach dem Sieg gegen die Glasgow Rangers mit 1:0. 1969 folgte das erste Double der Vereinsgeschichte mit deutscher Meisterschaft und DFB-Pokalsieg. Insgesamt holte der FC Bayern bis heute 33-mal die deutsche Meisterschaft und ist damit Rekordmeister, gewann 20-mal den DFB-Pokal, sechs Mal die Champions-League und mehr.Wer mehr über die Geschichte des FC Bayern München seit Gründung der Bundesliga erfahren möchte, der/dem sei der Podcast „11 Leben – Die Welt von Uli Hoeneß“ von Max-Jacob Ost empfohlen.
Der FC Bayern München zählte im Februar dieses Jahres zum 125. Jubiläum 400.000 Mitglieder und ist damit der mitgliederstärkste Fußballverein Deutschlands. Außerdem gibt es über 4.000 Fanclubs beim FCB und bei einer Kapazität von 75.000 Zuschauer*innen ist die Allianz Arena fast jedes Spiel ausverkauft. Eine aktive Fanszene findet sich in der Allianz Arena auf der Südkurve wieder. In der Südkurve ist immer wieder die Zahl 72 zu sehen. Die Fans wechselten im Jahr 1972 in der alten Heimspielstätte des Olympiastadions in München von der Gegengrade in die Südkurve. Das erste Spiel mit den Fans in der Südkurve war sogar ein Derby gegen 1860 München, das der FCB mit 3:1 für sich entschied. Seitdem entwickelte sich in der Südkurve die Fanszene des FC Bayern München stetig weiter. Heute ist die führende Ultragruppe des FC Bayern die Schickeria München. Weitere Gruppen der Südkurve München sind unter anderem Colegio, Red Fanatic München und alarMstufe rot.
Zum 125. Jubiläum des FC Bayern München übergab die Südkurve ein ganz besonderes Geschenk an den Verein. Nämlich eine neue Vereinshymne, entstanden aus einem Kurvenlied. Mit der Hilfe von Stephan Lehmann und dem Komponisten und Produzenten Hans Franek und einer Finanzierung durch Spenden sollte daraus eine richtige Hymne entstehen. Umrundet wurde das Lied durch Zeilen des Original-Liedes „Montagne Verdi“ von Marcella Bella, die vom Opernsänger Jonas Kaufmann eingesungen wurden. Erstmals gespielt wurde die neue Hymne beim Heimspiel gegen VfL Bochum, untermalt mit einer Jubiläums-Choreo im ganzen Stadion.
Die Südkurve München beeindruck häufig mit aufwändigen Zettel-Choreos. Als letztes war es die große Ganzstadionchoreo zum 125. Jubiläum, die das alte FC Bayern München-Logo zeigt. Auch zum 120. Vereinsjubiläum wurde mit einer Ganzstadionchoreo gefeiert. Auf der Webseite vom FC Bayern ist eine Auswahl an Heimchoreos der Bayern-Fans zu finden, die fast immer aus Zettel-Choreos besteht. Außerdem wird in Choreos an vergangene Erfolge erinnert. Im DFB-Pokal dieses Jahres zeigte der Bayern-Auswärtsblock beim SSV Ulm eine aufwändige Choreo, die verschiedenen Spieler des FC Bayern abbildete. Ansonsten ist die Fankurve vom FC Bayern bekannt für große Pyroshows. So auch beim DFB-Pokal-Spiel gegen den SSV Ulm.
Die Schickeria München entstand 2002 mit dem Ziel, mehr Zusammenhalt für die ultraorientierten Bayern-Fans zu schaffen. Nachdem man zunächst als „Gruppo Ultra“ auftrat, wurde die Idee, alle Stimmen der ultraorientierten Fans zu bündeln, immer mehr in die Tat umgesetzt. Die Namensgebung wurde unter anderem durch eine Zeile aus einem Lied der Spider Murphy Gang inspiriert: „Ja mei wia kommst denn du daher, a weng ausgflippt muasst scho sei, sonst lasst die da Gorilla an der Eingangsdia ned nei, in‘d Schickeria„. Seit vielen Jahre besteht zwischen Schickeria München und Ultrà Sankt Pauli eine enge Freundschaft. Nach „angeblichen Randalen“, so schreibt die Schickeria auf ihrer Website, nach einer Meisterfeier 2003, entzog der Verein Dauerkarten von 300 Fans und man fand sich in einem Existenzkampf wieder. USP solidarisierte sich mit der Schickeria, unter anderem durch Spruchbänder beim „Retterspiel“ des FC St. Pauli und dem FC Bayern München. So entstanden erste Kontakte zwischen den beiden Gruppen, erste gemeinsame Spielbesuche, bis hin zur offiziellen Verkündung der Fanfreundschaft. Unter dem Motto „Ultrà Curva Sud“ organisierten beide Fanszenen schon mehrere gemeinsame Choreos, wie auch im letzten Spiel gegen Bayern München in dieser Saison. Auch zu Ultras Bochum und Horda Azzuro von Carl Zeiss Jena pflegt die Schickeria eine Freundschaft. Seit letztem Jahr veröffentlicht die Schickeria regelmäßig den Podcast „Gegen den Strom“, in dem sie über ihre Spiele und über Fanszene-Themen berichtet.
Großes Engagement zeigt die Schickeria in ihrem Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung. Vor allem die Erinnerung an den Präsidenten Kurt Landauer ist von großer Bedeutung. Ohne das Engagement der Schickeria wäre die Erinnerung an den ehemaligen Präsidenten kaum präsent. Seit 2006 richtet die Schickeria ein antirassistisches Einladungsturnier aus, den Kurt Landauer-Pokal. Außerdem nahmen die Ultras an Gedenkveranstaltungen teil und organisierten mehrere Choreografien zu seinem Gedenken. 2014 erhielt die Schickeria München sogar den Julius-Hirsch-Preis. Mit der Kurt Landauer Stiftung rief die Schickeria 2017 eine Organisation in Leben, die weiter für das Gedenken an Kurt Landauer steht, aber auch an vielen weiteren Projekten für die Erinnerungskultur des FC Bayern München beteiligt ist.
Neben Harry Kane, Jamal Musiala, Thomas Müller und Co. sieht der FC St. Pauli wohl eher klein aus, einfach wird das ganze für uns nicht. Klar, der FC St. Pauli hat eine gute Leistung im Hinspiel gezeigt, auf der man aufbauen kann und hat vielleicht noch Schwung vom Sieg gegen Hoffenheim. Und beim FC Bayern sehen die letzten Ergebnisse nach einem 2:3 gegen Bochum und 1:1 gegen Union nicht so gut aus. Trotzdem würde ich nicht darauf hoffen und ich gehe aus sportlicher Sicht wohl eher pessimistisch an das Spiel heran, denn wir reden hier immer noch vom FC Bayern München. Abgesehen davon freue ich mich auf den Tag und das Drumherum. Ich bin gespannt auf den Gästeblock und alles was der Tag so hergeben wird. Mit Glück hat der FC Bayern ja sportlich einen schlechten Tag erwischt und Hauke Wahl macht sein Tor per Fallrückzieher ;). Immer weiter vor!// Nina
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